Für Lisa.

Die Nacht legte sich dunkel über die verlassenen Straßen der Kölner Altstadt. Es war nicht allzu lange her, dass der Herbst sich die Ehre gegeben und der Winter mit all seiner weißen Grausamkeit Einzug gehalten hatte. Ein schlafender Obdachloser drehte sich in seinem zugigen Versteck das letzte Mal um, bevor der Frost ihm den letzten Atem nahm. Die kalte Luft, die die Stadt wie eine dicke Daunendecke umgab, ließ die Schornsteine qualmen. Der weiße Rauch, der eine wohlige Wärme in den Wohnstuben erahnen ließ, zog hinauf in den sternenbedeckten Himmel. In den Fenstern war es dunkel - nur in einem kleinen Dachfenster flackerte die Flamme eines Kerzenstümmels.

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Eine kleine Geschichte des Kinobesuchs

An der Kasse des Kinos wird die Schlange langsam ungeduldig. Das leise angespannte Zischen der Glieder erwächst zu einem lauten Grummeln. Ganz hinten, am Schwanze der Schlange, wartet eine kleine Eidechse sehnsüchtig auf ihre Karte. In ihren Händen klimpert sie mit Münzen - es ist ihr gespartes Taschengeld der letzten drei Wochen. Aber sie ist sich sicher, dass das Ausharren sich bezahlt machen wird. Wochen- und Nächtelang träumte sie von diesem Moment, von der Fortsetzung, von dem filmischen Highlight des Jahres.

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