Port de Sóller – Bocadillos, Strand und eine Straßenbahn

Port De Soller die kleine Hafenstadt

Die Füße pochen vor Anstrengung und möchten frische Seeluft schnuppern. Also nehmen die zwei Freundinnen und ich Platz in einem kleinem Café in Port de Sóller und lassen dieses Bedürfnis nach Freiheit zu. Sechs nackte Füße spüren die Wärme des Bodens, die sich ihren Weg bis in unsere Herzen bahnt und ein Gefühl von Zufriedenheit hinterlässt. Die Kellnerin kommt herbei geeilt und schaut uns fordernd an. Ich bestelle auf Spanisch drei Bocadillos und Estrella und bekomme eine englische Antwort. Das steigert mein spanisches Selbstbewusstsein. Ich gebe nicht auf und bedanke mich mit “Muchas Gracias”. Wir schauen in die Bucht hinaus und beglückwünschen uns für die gelungene Wanderung von Deià nach Pórt de Soller.

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Der Blick auf die Bucht von Port de Sóller

Die Spanier sind die Könige der Bocadillo-Herstellung. Ein famoses Baguette mit Mozarella und Hühnchen wird uns vor die Nase gestellt. Ich plädiere dafür, dass nach dem Burger und Pommes Hype die Bocadillo-Liebe in Deutschland um sich greifen sollte. Dafür würde ich für immer mit meiner temporären Low Carb Ernährung brechen.

Port de Sóller und der Irrweg zum Leuchtturm

Das Blau des Meeres sieht verführerisch aus. Doch bevor wir ins frische Nass hüpfen, möchte die Umgebung erkundet werden. Sóller ist, zumindest laut Reiseführer, für seine Straßenbahn bekannt, welche den Ruhm der ältesten Straßenbahn auf ganz Mallorca ernten darf. Die Dynamomaschine wurde Anfang des 20. Jahrhundert von Siemens-Schuckert konstruiert.

Straßenbahn in Port de Soller
Die Siemens Straßenbahn

Für sechs Euro kann der bezahlwillige Tourist von Port de Sóller nach Sóller fahren, aus dem Fenster schauen und den vorbeilaufenden Menschen winken. Wer dem Winken ausgiebig zugeneigt ist, kann mit einer ebenfalls antiken Eisenbahn für 22 Euro von Sóller nach Palma de Mallorca fahren.

Das sommerliche Wetter lässt meinen Eis-Instinkt erwachen. In einem Supermarkt ergattere ich ein weißes Magnum mit Käsekuchen-Flavor. Erneut bedaure ich bald wieder in das Käsekuchen-Flavor-freie Deutschland zurückkehren zu müssen. In der Ferne bewacht ein Leuchtturm die Bucht. Nach ein paar Irrgängen und einem Bienenangriff finden wir den Weg zum Leuchtturm, leider nicht. Diese Enttäuschung verschlägt uns an den Strand. Der Bikini wartet bereits unter den verschwitzten Wanderklamotten auf seinen Einsatz. Die geborgten weißen Handtücher der Ferienwohnung werden auf dem Sand ausgebreitet und haben wohl bis heute die bräunliche Färbung des Strandes von Sóller nicht wieder hergegeben.

Die Grazilität der Kälte

Mit eingezogenem Bauch watscheln wir – der Leichtfüßigkeit eines Storchs ähnelnd -zum Ufer. Der dicke Zeh taucht ins Wasser ein und zu unserer Überraschung erfahren wir: das Wasser ist eisig. Ich blicke zum Strand zurück, um die schadenfrohen Blicke der anderen Strandgäste einzufangen. Diese tun jedoch unschuldig. Aber egal, Strandurlaub will Strandurlaub sein. Zentimeter für Zentimeter wandert die Gänsehaut den Körper hinauf bis das Gefühl in den Beinen nachlässt. In diesem Moment fühlt sich das Wasser gar nicht mehr so kalt an und eine trotzige Vorführrunde kann geschwommen werden.

Die Suche nach dem Bus

Nachdem die Sonne uns getrocknet hat, alle Postkarten gekauft und die letzte Cola Light getrunken ist, möchten wir nach Palma zurückfahren. Doch wo fährt überhaupt der Bus ab? Da wir per Wanderschuh nach Port de Sóller gekommen sind, müssen wir nach dem Weg zur Haltestelle fragen. In Port de Sóller gibt es eine Disco, Discoteka Altamar, die mit ihren orangen Sonnenschutz-Dächern an der Promenade nicht zu übersehen ist. Dort führt eine Straße vorbei, die man in entgegengesetzter Richtung zum Meer immer geradeaus folgen muss, um schließlich einen Kreisverkehr zu passieren, sodass nach einem 10 minütigen Fußmarsch die Bushaltestelle in Erscheinung tritt. Wem meine eloquente Wegbeschreibung nicht reicht, kann Google zur Hilfe nehmen.

Wir positionieren uns strategisch vor den anderen Wartenden. Denn beim Buseinstieg und im Krieg gibt’s keine Regeln. Der Begriff Ellenbogengesellschaft kann hier an der eigenen Niere erfahren werden. Für 3,25 Euro fahren wir zurück nach Palma. Eine schwäbische Wandertruppe verteilt Bier an die beteiligten Männer. Die Frauen dürfen mit schmachtenden Blick und sonnengeröteten Ohren den Tag resümieren. Die letzte Kraft unserer Nerven und Muskeln nutzen wir für einen Supermarkteinkauf, ein Bier und ein Abendmahl in der Ferienwohnung. Für mehr Programm sind wir nicht mehr in der Lage.

Mit Träumen an den nächsten Tag kehrt Ruhe in unserer Bleibe auf Zeit ein. Lest im nächsten Mallorca Artikel von unserer Wanderung von Port de Pollenca nach Cala Bóquer und dem befürchteten Angriff der Ziegen.

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