Cala Bóquer – Ziegen, die auf Menschen starren

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Guter Kaffee am Busbahnhof von Palma

Das Smartphone vibriert und zwitschert den vertrauten Ton. Liebevoll holt es mich aus TräuFoto 16.04.16, 07 08 10men und führt mich in die Realität zurück. Während die spanische Insel um 5:30 noch friedlich schlummert, bewege ich langsam den dicken Zeh unter der Bettdecke hervor. Bereits jetzt merke ich, dass die Beinmuskeln bei diesem Firlefanz nicht mitmachen wollen. Mit einem Ruck, der durch ein leises Wimmern begleitet wird, werfe ich mich auf die Seite. Doch unsere Pläne werden diese Unpässlichkeiten des Muskelkaters vom gestrigen Tag und der Wanderung von Deià nach Port de Soller nicht tolerieren können. Wir wollen wieder wandern. Die Route für den heutigen Tag steht und ist ein Grund unter Schmerzen die Beine aus dem Bett zu hieven. Von Palma de Mallorca soll es mit dem Bus quer über die mallorquinische Insel in den Norden nach Port de Pollenca gehen. Die Fahrt kostet um die 7 Euro. Von diesem englisch besiedelten Ferienort aus beginnt eine Wanderung nach Cala Bóquer.

 

Port de Pollencer und der Strohhalm im Kaffee

Auf Reisen macht ein Weltenbummler die verrücktesten Erfahrungen. In einem Café bestellen wir einen Café para llevar (Coffe To Go oder auch einen Kaffee zum Mitnehmen). Dieser wird uns, wie es die schnelllebige Welt fordert, in einem Pappbecher und Plastikdeckel serviert. Doch jetzt kommt die Innovation: Im Trinkloch steckt ein Strohhalm. Heißer Kaffee aus dem Strohhalm – das muss ich ablehnen, während die Freundin nach einer Zeit des Überdenkens dies gar nicht so schlecht findet. Die Vermutung flüstert mir ins Ohr, dass dies eine englische Sitte sein muss.

Nach einem Frühstück an der Promenade mit Baguette und Alioli wird zunächst ein fescher Hut für die Truppe  gekauft. Denn die Sonne brennt an diesem Tag erbarmungslos auf uns nieder. Ich erwäge, mir einen Flaschenöffner in Penisform zu kaufen, da diese Ausgeburt des schlechten Humors wie heiße Semmeln an jeder Ecke angeboten wird. Ich kann diesem touristischen Schnapper widerstehen. Nach der Begutachtung von billiger Chinaware können wir unsere Wanderung beginnen. Durchs Dorf geht’s zum Einstieg. Die Landschaft der Wanderung ist majestätisch. Wir laufen in einem Tal der Cala Bóquer entgegen.

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Der Einstieg zur Wanderung

 

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Die Landschaft zur Cala Bóquer

Die gemütliche Wanderung wird durch die letzte Etappe der Tour gestört. Wir müssen einen Berg hinab, der nicht wirklich einen Weg beinhaltet. Durch Gestrüpp und Geröll stolpern wir der Bucht entgegen. Die Aussicht ist atemberaubend. Nach einer Wanderung von knackigen 90 Minuten sind wir bereits da.

 

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Cala Bóquer – wir sind da

Ich nehme mir vor in diese Bucht auszuwandern und aufgrund der mangelnden Infrastruktur mich von Touristen zu ernähren. Um Missverständnisse vorzubeugen: Ich möchte nicht die Touristen anknabbern, sondern von ihren Lunchboxes zehren.

 

Die Ziegen-Mafia in Cala Bóquer

Cala Bóquer besteht aus einem steinigen Strand und Steinplatten. Da ich grundsätzlich in allen Lebenslagen und im Schwimmbad meine Flip Flops vergesse, bekommen meine nackten Füße eine harte Massage.

Cala Bóquer und die Aussicht

Das Wasser ist eisig erquickend, aber das kennen wir bereits und haben die Expertise zum Hineintauchen. Das größere Problem sind große Steine am Ufer, die für mein schlechtes Gleichgewicht unüberwindbar scheinen. Hinzu kommt, dass ich mir einbilde einen toten Fisch gesehen zu haben. An diesem Punkt ist mein Mut bereits ertrunken, gelähmt stehe ich da und warte auf ein Wunder. Es kommt natürlich keines angeschwommen, ist dem Wunder wohl auch zu kalt. Es nützt ja alles nichts und so stürze ich mich in das flache Wasser. Mit jedem Meter, den ich schwimme, schnürt die Kälte meine Lunge zu. In Panik vor abgestorbenen Zehen hetze ich zum Ufer zurück. So viel Adrenalin braucht nun erst einmal eine Pause.

Cala Bóquer und die SteinplattenIch positioniere mich geschickt auf einer Steinplatte und beobachte die Leute. Aus dem Gebüsch bahnt sich ein rothaariges Wesen heran. Es hat vier Beine, vier Hufen und zwei kleine Hörner. Ohje, der Teufel kommt uns holen. Bei näherer Betrachtung erkennt mein biologisches Auge: es handelt sich um eine Ziege, die genau weiß, was sie will. Die Ziege hat es auf die mit Essen gefüllten Plastikbeutel der Touristen abgesehen. Ich bin enttäuscht, mein Plan in diese Bucht auszuwandern kann ich knicken. Die Ziege wohnt bereits dort und ernährt sich von Touristen. Der Kampf gegen Windmühlen und ums Essen beginnt. Ein Tourist schubst die Ziege weg, die Ziege kommt wieder, erneut schubst er sie und macht “Pschh, pschhhh”. Es handelt sich um eine Art Ziegensprache. Irgendwann scheint der Kampf gelöst, die Ziege steuert weitere Touristen mit Plastiktüten an und der Ziegenhasser ist erleichtert. Ich schmunzle in mich hinein bis die Ziege auf einmal vor uns steht und uns anstarrt. Wir fahren den Plan, bloß nicht hinzugucken. Wenn wir sie ignorieren, geht sie bestimmt zum Ziegenhasser zurück.

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Der Blick des Todes

Der Machtkampf der Ziege dauert 10 Minuten und unser Plan geht auf. Sie kehrt zum Ziegenhasser zurück. Wir nutzen den Moment der Unachtsamkeit und verabschieden uns von der Bucht. Zurück geht es steil Bergauf durchs Gebüsch zum Port de Pollenca. In einem Restaurant namens Dakota Bar & Grill gönnen wir uns noch eFoto 16.04.16, 14 47 40in kleines Sandwich und ein Dakota Bar & Grill in Port de PollencaBierchen. Das Restaurant besitzt einen Steg, der ins Meer hineinragt und auf dem der Gast seine Sehnsüchte nach der Ferne voll auskosten kann. Das Essen ist als kurzfristige Wahl akzeptabel und mittelklassig. Die Kellner wirken allerdings etwas lustlos und unfreundlich.

 

Am Abend befinden wir uns in einem gruppendynamischen Zwiespalt. Es ist Samstag, es ist Abend und anthropologische Studien am Ballermann wollen unternommen werden. Die Lust auf Grölerei und Sauferei hält sich allerdings hinter der Vernunft verborgen. Ob wir es wirklich noch dahin geschafft haben, erfahrt ihr im nächsten brisanten Mallorca-Bericht.

 

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